Symptomatisches Saisonende – HCR knackt SVWE
Aus und vorbei: Das Fanionteam verliert Spiel 5 in der Playoff-Serie gegen den HC Rychenberg mit 4:5 nach Penaltyschiessen und hat Saisonende. Die letzte Partie war sinnbildlich für dieses Duell. Der SVWE war zwar wieder nahe dran, aber er fand letztlich keine Lösungen gegen einen Gegner, der fast alles richtig machte und weit mehr sein Leistungslimit erreichte als es der Qualisieger tat.
Die sportliche Nemesis des Rekordmeisters in dieser Saison heisst zweifelsohne HC Rychenberg Winterthur. Die Zürcher beendeten sowohl die Cup- wie Meisterschaftsambitionen des SVWE. Und beides auf ähnliche Weise: Als im Herbst die Blätter von den Bäumen fielen, schaffte es das Fanionteam im Cup eine 1:4-Führung zu verspielen und letztlich in der Verlängerung auszuscheiden. Und jetzt im Frühjahr, als alles wieder spriesst und sich erneuert, sah man keine Veränderung hinsichtlich des SVWE. Er verlor eine Serie, in der die Väänänen-Truppe es mehrmals schaffte, einen Weg in die Niederlage zu finden, zweimal auswärts auf anfängerhafte Weise und gestern dann eher auf unglückliche Art. Aber: Das richtige Team hat sich für den Superfinal qualifiziert, das Glück im Penaltyschiessen haben sich die Zürcher über die ganze Serie erarbeitet.
Die Enttäuschung beim SVWE war nach dem Spiel natürlich riesig, die Leere gross. Immerhin hatte man sich gegen das Saisonende gewehrt, zeigte Emotionen und Leidenschaft, welche man im ersten Spiel mit einem blutleeren Auftritt vollständig hatte vermissen lassen und letztlich die Serie in die falschen Bahnen gelenkt hatte. Denn der HCR zog aus diesem Break zum Auftakt und dann auch durch das Comeback in Spiel 2 die Energie und Zuversicht, den Favoriten stürzen zu können.
Gestern nun scheiterte das Heimteam nicht an der Einsatzbereitschaft, sondern an Unzulänglichkeiten, welche man während der ganzen Serie nicht korrigieren konnte. Ein schlechter Start (fünfter Rückstand im fünften Spiel), ungenügender Vorstellung des «Paradeblocks» , fehlende Passqualität bei den Kontern, fehlende Kaltblütigkeit vor dem Tor und Schwächen im Spiel im eigenen Slot. In den Playoffs muss sich ein Team entwickeln, dies ist dem SVWE nie gelungen, es passierten immer wieder die gleichen Fehler und man kassierte Gegentore aus ähnlichen Situationen.
Dosen-Fruchtsalat gegen Grotto Risotto
Die Ratlosigkeit beim Staff war am Ende gross. Die Hektik beim Coaching enorm. Die Linien wurden fast auf jedes Spiel hin neu zusammengewürfelt und auch in den Spielen gab es laufend Umstellungen. Der Effekt von all dieser Hyperktivität war letztlich gering. Es entstand ein wässriger Dosen-Fruchtsalat, der nur durch ein Sahnehäubchen hätte aufgewertet werden können. Doch die dafür vorgesehen Chefköche, lies Führungsspieler, tauchten in den entscheidenden Moment ab.
Dagegen wirkte der HCR wie ein wohltuendes Grotto-Risotto. Die Zutaten aus jungen Wilden, einem hochtalentierten Goalie, Führungsspielern und sich fürs Team aufopfernden «Mitläufern» wurde vom Coaching-Staff mit einer wohlschmeckenden, perfekten Konsistenz zusammengestellt und von Spiel zu Spiel immer wieder mit den gleichen Zutaten aufgetischt. Es gab höchstens einige kleine Variationen was die Würzung anbelangte, aber das Risotto blieb immer schmackhaft.
Der Umbruch kann auch heilsam sein
Beim SVWE steht nach diesem Saisonende ein Umbruch an. Galante kehrt in die Heimat zurück, Bischofberger beendet seine Karriere, Bürki und Persici wechseln nach Schweden, ev. Gasparik (Tschechien) und Vogt (Tigers?)
Auf dem Papier geht extrem viel Qualität verloren, aber der Umbruch kann eine Chance sein. Die U21 wurde soeben zum dritten Mal in Serie Schweizer Meister, es hat genug Talente, die nun eingebaut werden können oder müssen. Der Druck des Serienmeisters ist Weg, jener des Halbfinal-Monsters wurde jetzt auch beerdigt.
Die gibt dem Nachwuchs Raum, sich zu entfalten. Die Favoritenrolle wird nach zweimaligem Scheitern in den Playoffs in naher Zukunft nicht mehr beim SVWE sein. Dies gibt die Möglichkeit, den eigenen Talenten das Vertrauen zu schenken. Dass es funktionieren kann, zeigte gestern Jamie Martinjas. Der jüngste im SVWE-Kader ging voran, war ein Reisser und Antreiber, fightete bis aufs «Blut», legte sich mit jedem an, der sich ihm oder den Mitspielern in den Weg stellen wollte. So wie man es sich von den designierten Leistungsträgern gewünscht hätte.
Diese Mentalität und den Hunger gilt es mit dem Einbau von jungen Spielern zu fördern und zu fordern. Das wird Geduld brauchen und auch Rückschläge geben. Aber es kann ein Team entstehen, das Spass macht und hungrig statt satt wirkt.
SV Wiler-Ersigen – HC Rychenberg Winterthur 4:5 n.P. (3:3, 1:1, 0:0, 0:0)
Sportanlage Grossmatt, Kirchberg BE. 996 Zuschauer. SR Hohler/Koch.
Tore: 2. N. Mutter (J. Egli) 0:1. 6. K. Reich (M. Eyer) 0:2. 7. G. Persici (N. Siegenthaler) 1:2. 13. M. Louis (G. Persici) 2:2. 14. T. Döbeli (C. Schmid) 3:2. 15. J. Egli 3:3. 27. K. Oesch (J. Egli) 3:4. 39. A. Galante Carlström (N. Bischofberger) 4:4.
Penaltyschiessen: M. Wöcke trifft 0:1. O. Weissbach trifft 0:2. J. Martinjas trifft 1:2. A. Galante Carlström verschiesst. L. Conrad verschiesst. K. Oesch verschiesst. R. Gasparik verschiesst. J. Egli verschiesst. M. Louis verschiesst. Y. Wyss verschiesst.
Strafen: keine Strafen. keine Strafen.
LUPL-Playoff-Halbfinal („best of seven“): SVWE vs. HC Rychenberg (alle Heimspiele in Kirchberg Grossmatt) – Endstand 1:4
Spiel 1: SVWE vs. HCR 1:6
Spiel 2: HCR vs SVWE 6:5n.Verl.
Spiel 3: SVWE vs. HCR 7:5
Spiel 4: HCR vs. SVWE 4:3
Spiel 5: SVWE vs HCR 4:5 n Pen.

